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Die Erbsünde eine vergessene Wahrheit? Vortrag vom 30. Mai 2003, Prandtauerkirche Der heutige Monatsvortrag handelt also wieder einmal von einem Thema, das der katholischen Glaubenslehre entstammt, deren Kennntis selbst bei Katholiken meist nur mangelhaft ist und für die nur wenige Interesse finden. Umso mehr gilt diese traurige Tatsache vom heutigen Thema: Erbsünde. „Erbsünde ist die erbliche , wenn auch nicht persönliche Schuld der Nachkommen Adams, die in ihm gesündigt haben. Ist Verlust der Gnade und damit des ewigen Lebens, mit dem Hang zum Bösen. Den jeder durch Gnade, Buße, Kampf sittliches Streben zurückdrängen und überwinden muß. Das Leiden und Sterben des Gottessohnes hat die Welt vom Erbfluch der Sünde und des Todes erlöst. Der Glaube an diese Wahrheiten, denen heute in Eurem Vaterlande der billige Spott der Christusgegner gilt, gehört zum unveräußerlichen Bestand der christlichen Religion“. So lehrte Papst Pius XI. in seiner Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vom 14. März 1937, die für die Katholiken des Deutschen Reiches verfasst worden war, die damals von den Irrlehren des Nationalsozialismus beunruhigt und verwirrt waren. Auch wenn heute der „Spott der Christusgegner“ vielleicht weniger militant gegen diese Glaubenswahrheit ankämpft, so trifft diese Wahrheit heute vielleicht ein noch bedauerlicheres und ungünstigeres Los: diese Wahrheit, vor allem in ihrer biblisch bildlichen Darstellungsweise, wird von vielen bloß als kindische und längst veraltete Ansicht abgetan, die mit einer angeblich wissenschaftlichen Sicht vom Menschen nicht harmonieren könne, in der für Sünde ja kein Platz sein darf. Oder die Erbsünde wird als Ausdruck einer miesmacherischen Sicht des Menschen angesehen. So abgeurteilt, verkennt und unterschätzt man aber eine wichtige Wahrheit über den Menschen, ohne die man das Wesen des Menschen ebensowenig verstehen kann wie dessen Erlösung durch Jesus Christus. Das Versändnis beider Dinge ist nur auf der Grundlage der Erbsündenlehre überhaupt erst möglich. Der Mensch in seinem irdischen Dasein bliebe uns also ein Rätsel, wenn wir die Wahrheit von seiner erbsündebedingten Schwächung und Verschlechterung nicht genügend bedenken wollten. Auch in der katholischen Theologie der vergangenen Jahrzehnte ist das Thema Erbsünde nicht selten völlig abwesend oder es wird sogar als heute nicht mehr notwendiges Überbleibsel einer vorwissenschaftlichen Welt- und Menschensicht radikal abgelehnt. So hat Kardinal J. Ratzinger sicher recht, wenn er einmal schreibt: „Die Unfähigkeit, die Erbsünde zu verstehen und verständlich zu machen, ist eines der schwerwiegendsten Probleme der gegenwärtigen Theologie und Pastoral“. Vor diesem Hintergrund nimmt es auch nicht wunder, daß selbst viele Katholiken, die sich selbst zwar als gläubig ansehen, dennoch mit der Erbsünde nicht viel anfangen können. So wollen wir heute abend uns zunächst die Frage stellen: Was lehrt die katholische Kirche über die Erbsünde? Sodann: Welche Einwände werden gegen diese Lehre vorgebracht und warum ist unser zeitgenössisches Menschenbild oft blind für diese Wahrheit unseres Glaubens? Schließlich: Welche wichtigen Konsequenzen hat diese Lehre für die rechte Sicht vom Menschen? 1. Die katholische Lehre über die Erbsünde Die katholische Lehre von der Erbsünde war geschichtlich gesehen schon in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte eine umstrittene Lehre, bis sie dann etwa im 5. Jahrhundert durch das Lehramt der Konzilien genauer präzisiert und festgeschrieben wurde. Im zweiten Jahrtausend waren es dann vor allem die Turbulenzen um Martin Luther und die Reformatoren, die gegen diese katholische Lehre auftraten und die eine neuerliche Präzisierung dieser Lehre notwendig machte. Das Konzil von Trient hat dann im 16. Jahrhundert diese Lehre, mit zum Großteil sogar wörtlichem Rückgriff auf die Konzilstexte der ersten Jahrhunderte, neuerlich jedem Katholiken zu glauben vorgelegt. Bemerkenswert ist, daß das deutsche Wort „Erbsünde“ übrigens von Martin Luther stammt. Es handelt sich beim deutschen Terminus „Erbsünde“ (lat. Peccatum originale, was soviel wie „vom Ursprung herrührende Sünde“ bedeutet) also um keine biblische Bezeichnung, was von Sektierern immer wieder vorgehalten wird. Aber entscheidend ist ja nicht der Fachbegriff als solcher, sondern das mit dem Begriff Gemeinte und das ist in den biblischen Schriften dem Inhalt nach durchaus grundgelegt, wenn auch nicht voll systematisch entfaltet. Zwei Hauptrichtungen von Irrtümern mußte die Kirche im Hinblick auf die Erbsünde immer wieder zurückweisen: eine erste, die die Wirkung des sündigen Erbes auf den Menschen allzu leicht und unbedeutend annahm und meinte, daß die gottgeschaffene Freiheit des Menschen sich, trotz der Erbsünde, unbeschadet und ungehindert auf das Gute richten könne. Von Erbsünde im wahren Sinn kann daher hier nicht gesprochen werden, weil der Mensch in sich selbst nur als gut anzusehen ist. Ein zweiter Irrtum besteht genau im Gegenteil vom ersten Irrtum: während der erste, wie gesagt, den Übergang der Ursünde Adams auf jeden Menschen leugnet, kommt der zweite Irrtum zum Schluß: daß die Erbsünde geradezu zur zweiten Natur des Menschen geworden sei und er deshalb unter dem Fluch dieser Sünde keinerlei Freiheit zum Guten mehr habe, er könne also nur noch sündigen und alles, was er wolle, sei dementsprechend sündhaft. Die Lehre der katholischen Kirche hat sich immer von diesen beiden Extremen der Unterschätzung einerseits und der Überschätzung andererseits der Folgen der Erbsünde für den Menschen abgewandt und besitzt deshalb einen gesunden und zutreffenden Realismus in der Bewertung und Sicht des Menschen. Ihre Lehre besagt: jeder Mensch tritt in die Welt beladen mit einem sündhaften Erbe, sodaß sein Zustand, seine Natur sündhaft ist, auch wenn er nicht durch eigene und persönliche Schuld dafür verantwortlich ist, sondern weil und insofern er ein Nachkomme Adams ist, der als Stammhaupt der Menschheit nicht nur das menschliche Leben weiterzeugen sollte, sondern der von Gott auch dazu bestimmt war, die heiligmachende Gnade an alle seine Nachfahren weiterzugeben. Durch die Ursünde hat Adam diese Pflicht aber nicht nur für sich selbst sondern auch für alle Nachkommen verletzt. So wie über die Abstammung von ihm die heiligmachende Gnade an alle Menschen weitergegeben hätte werden sollen, so ist durch die Abstammung von ihm auch die Schuld, die er sich durch seinen Ungehorsam vor Gott zugezogen hat, an alle Menschen übergangen. Der hl. Paulus lehrt diese Verwicklung aller Menschen in die persönliche Sünde Adams ausdrücklich im Römerbrief: „Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten“ (Rö 5,12). Die Erbsünde ist also für die Nachkommen Adams keine persönliche Sündentat, wie es für Adam die Ursünde war, sondern ein von ihm überkommener Zustand des Mangels an heiligmachender Gnade. Wo aber die Gnade im Menschen fehlt und damit seine ihm von Gott zugedachte Erhebung weit über die Grenzen seiner Natur hinaus, da sackt der Mensch auch in seinem natürlichen Streben und Wirken von der anfänglichen Höhe hinab. Er wird auch an seiner Natur verschlechtert, ohne daß die Willensfreiheit gänzlich in ihm aufgehoben wäre. So kommen dem Menschen besondere natürliche Gaben abhanden, mit denen Adam zunächst ausgestattet war: die Freiheit vom Leiden und vom körperlichen Tod, der nun als sichtbare Hauptfolge der Erbsünde anzusehen ist, dann die Freiheit vom Irrtum im Erkennen, da der Verstand des Menschen nun geschwächt ist und oft nur durch Dunkel erkennen kann; schließlich die Freiheit von der ungeordneten Begierlichkeit, da nun das freie Streben des Menschen übermäßig nach dem sinnlichen Genuß überhand nimmt, daß es sich gegen die Weisung des Verstandes und des Willens richtet und den Willen leichter zum Bösen zieht. Der hl. Paulus schildert im Römerbrief das Drama der erbsündenbedingten Schwäche und Versuchbarkeit des Menschen: „Ich weiß, daß in mir, d.h. in meinem Fleisch, nichts Guts wohnt, das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will“. Wie schwach also ist unser Wille geworden. Das Niedere empört sich im Menschen nunmehr gegen das Höhere, die Sinnlichkeit gegen den Geist. Die Folge ist die innere Unordnung im Menschen, seine leichtere Versuchbarkeit, seine schrankenlose Sinnlichkeit und Weltverfallenheit. Die Erbsünde stürzt die ganze Welt und den Menschen in eine sklavische Abhängigkeit vom Teufel. Ein trauriges Los! Das sind im Allgemeinen die Folgen der Erbsünde, die aber nicht in jedem Menschen existentiell gleich stark und ausgeprägt zum Ausdruck kommen. Eine Heilung dieser Verwundung unserer Natur kann nur durch die Wiederherstellung jenes Bandes geschehen, das uns in der Gnade mit Gott verbindet. Nicht aszetische Höchstleistungen oder menschliches Bemühen allein sind dazu in der Lage, noch die Schaffung besserer Umweltbedingungen oder sonstigen menschlichen oder irdischen Fortschritts, sondern nur das Bad der Erlösung, die hl. Taufe, die uns von der Erbsünde reinwäscht und uns in den Stand der Gnade versetzt. Wenn dieses höchste Gut des Menschen wieder gegeben ist, dann kann er auch gegen die Verwundungen und Schwächungen seiner Natur, die auch nach der Taufe zurückbleiben, besser ankämpfen. 2. Einwände gegen die katholische Erbsündenlehre Ich möchte hier nur kurz auf zwei wesentliche Einwände gegen die katholische Erbsündenlehre, wie sie eben kurz skizziert wurde, hier eingehen: a) ein erster Einwand stützt sich auf die biblische Ur- kunde vom Sündenfall Adams im Buch Genesis 3 Kapitel. So wird seit etwa 400 Jahren behauptet, daß darin kein wirkliches Ereignis beschrieben sei, daß es also den sogenannten „Sündenfall Adams“ nicht wirklich gegeben habe. Dementsprechend sei auch die Erbsünde kein dadurch bewirkter Zustand des Menschen. Was wäre aber die Alternative? Wenn die Sünde in die Menschheit nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt und damit durch ein bestimmtes Ereignis eingetreten wäre, dann müsste sie immer schon als eine Wesensanlage im Menschen vorhanden sein, so wie er von Gott gewollt und erschaffen worden ist. Kann aber der gute Gott den Menschen sündhaft erschaffen? Das ist in sich unmöglich. Also kann die Sünde nur zu einem späteren Zeitpunkt der Geschichte des Menschen durch ein bestimmtes Ereignis verursacht sein, das den mit Wahlfreiheit begabten Menschen selbst zum Urheber hat. Sicher finden wir in Gen 3 keinen Tatsachenbericht in nüchternen, neuzeitlich-wissenschaftlicher Form vor. Auch wenn dieser die Darstellung des Sündenfalls Adams sehr bildlich ausgestaltet und von daher besondere Anforderdungen für die Auslegung fordert, kann doch nicht einfach gesagt werden, daß die darin bezeichnete Sache des Sündenfalls dem wesentlichen Gehalt nach nie stattgefunden habe oder daß sie nur der Versuch sei, eine innere Erfahrung des Menschen, die Erfahrung des Bösen, die ihn in seinem Leben begleitet, zu deuten. Als diese kritischen Einwände erhoben wurden, hat das kirchliche Lehramt bis hin zum Katechismus der Katholischen Kirche - deshalb als sicheres und tatsächliches Ereignis folgende wesentlichen Elemente der biblischen Darstellung festgeschrieben: Die Urmenschen sind von Gott im Gehorsam geprüft worden. Aber durch äußere, teuflische Versuchung haben sie diese Prüfung nicht bestanden und sind deshalb von Gott aus dem Zustand des Paradieses vertrieben worden. Auch wenn der biblische Text nicht ausdrücklich von Erbsünde spricht und den Übergang der Sünde Adams auf alle seine Nachkommen nicht wörtlich enthält, so erhält diese Erzählung vom Sündenfall im Zusammenhang doch geradezu eine ursprungshafte Bedeutung für die ganze Sündengeschichte, die in der Bibel ebenso wie die Heilsgeschichte zu finden ist. Die Sünde Adams ist also nicht nur irgendeine Sünde, wie die anderen, sondern sie ist wie das Öffnen der Schleuse für die Sünden der Nachkommen. Diese erste Sünde weitet sich aus und erfasst alle wie eine Flut: sie führt wie ein roter Faden über Kain bis hin zu den Sünden des Volkes Israel. Alle Menschen sind durch diese Sünde Adams verdorben. Darum heißt es schon im Ps 51: „ Denn ich bin in Schuld geboren, in Sünde hat mich meine Mutter empfangen“. Alle persönlichen Sünden der Menschen und Völker, so die Lehre der Bibel, hängen mit der ersten Sünde Adams zusammen. b) ein zweiter Einwand kommt von irrigen Anschauungen über den Menschen, die ihn in seinem Wesen verfälschen und verkennen, sodaß von daher auch kein Raum für die Erbsünde sein kann. Vor allem jene Anschauung, die der Spanier Donoso Cortès in seiner Denkschrift über die Hauptirrtümer der Gegenwart im 19. Jahrhundert in die Worte fasste: „Sein Stolz hat dem Menschen von heute zwei Sätze zugeflüstert und beide hat er geglaubt, nämlich, daß er keinen Makel habe, sondern selbst gut und unverdorben sei, und, zweitens, daß er deshalb Gott nicht benötige“. Der Verstand des Menschen könne also ungehindert die Wahrheit erkennen, der Wille des Menschen sei immer auf das Gute gerichtet. In Wirklichkeit wird aber bei dieser Anschauung dann nur das als Wahrheit anerkannt und das als gut angesehen, was sich der Mensch selbst und mit seinem natürlichen Empfinden als wahr und gut bestimmt und wählt. Damit geschieh aber genau das, was im biblischen Bild vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen ausgedrückt wird: wenn der Mensch in vermessenem Stolz selbst entscheiden will, was als gut und als böse anzusehen ist, überschreitet er sündhaft eine heilige Grenze, die ihm als Gesetz seiner Freiheit, in den göttlichen Geboten und im allgemeinen Sittengesetz absolut vorgegeben ist und das er nicht selbst bestimmen oder verändern darf. In der Folge kann das Böse nicht im Entscheidungszentrum des Menschen selbst gelegen sein, sondern das Böse kann nur von außen den an sich guten Menschen bestimmen. Das Vorbild der Anderen, die Ordnung der Gesellschaft oder der Wirtschaft oder andere äußere Strukturen wären somit die einzigen Gründe, die den an sich guten Menschen böse machen können. Unsere Erfahrung belegt aber schon ganz klar, daß das von außen an uns herantretende Vorbild der Anderen oder die äußeren Ordnungen uns nicht bis ins Letzte bestimmen können, will man nicht jede Selbstbestimmung des Menschen und damit seine Freiheit leugnen. Sicher können sie den Menschen in versucherischer Weise zum Bösen zu gewinnen suchen, aber ihr Einfluß ist nicht absolut bestimmend. Wenn nicht die eigene Entscheidung zum Bösen dazukommt. Und diese ist in der inneren Verwundung der Natur und der dadurch bewirkten Hinneigung des Menschen zum Bösen, als Folge der Erbsünde, überhaupt erst sinnvoll erklärbar. Auch in die Theologie der letzten Jahrzehnte hat sich dieser falsche Optimismus über den angeblich „guten“ Menschen breit gemacht. Alles „Menschliche“ wurde geradezu schon als Religion und der „Dienst am Menschen“ wurde völlig undifferenziert schon als gottwohlgefälliges Werk angesehen. Einseitig wurde und wird dabei nur auf die Schöpfung verwiesen, da Gott doch alles gut gemacht habe. Übersehen wird aber die Wirklichkeit der Erbsünde, in die die ganze Schöpfung durch die Schuld Adams gefallen ist. Die Erbsünde hat zwar den gut geschaffenen Menschen nicht in sich böse gemacht, sie hat ihn aber wohl von der Höhe hinabgestürzt, in der er sich als Gottesgeschöpf erhoben sah. Von da an ist der Mensch schwach und hilfsbedürftig geworden und so muß er sich bemühen, durch den Beistand Gottes ein heiliger Mensch zu werden. Auch unser Zugang zu den an sich guten Dingen der Schöpfung hat sich durch den Einfluß der Erbsünde verschlimmert, weil wir die Dinge der Schöpfung nicht mehr in ihrer heiligen Ordnung sehen und genießen können, sondern versucht sind, sie maßlos und gottlos zu gebrauchen. Symptomatisch für diese Verschiebung unseres Blickpunkts der irdischen Dinge ist das, was im Buch Genesis als unmittelbare Folge der Erbsünde beschrieben wird: Da gingen Adam und Eva die Augen auf und sie erkannten, daß sie nackt waren. Auf einmal flackert also die Gier in den Augen der Menschen und alles, was sie vorher zur Ehre und zum Lobpreis des Schöpfers gesehen und im rechten Maß genoßen hatten, das wird nun Gelegenheit zur Sünde. Der erbsündenbeladene Mensch muß nun durch Überwindung des eigenen Begehrens sich vom Anreiz seiner Sinnlichkeit zu befreien suchen, damit er in die heilige Ordnung von gut und böse zurückfinden kann. Der katholische Glaube steht und fällt mit dem Dogma von der Erbsünde. Wird aber die Erbsünde geleugnet oder vergessen, dann ist auch die Notwendigkeit der Taufe als dem einzigen Weg, von der Erbsünde reingewaschen zu werden, abzulehnen. Daraus aber ergibt sich die Leugnung der Erlösung durch Jesus Christus. Diese kann dann nur in der Befreiung aus menschlichen Bedrängnissen irdischer Art angesehen werden und das hat mit christlicher Erlösung nichts zu tun, weil sie die Wiederherstellung der durch die Sünde verlorenen Gottesfreundschaft zum Inhalt hat. Am Ende bleibt nur ein horizontaler Humanismus, der die Gnade und das Bemühen um Heiligung des eigenen Lebens als gänzlich unwichtig ansieht. Alle Übel der Welt, Kriege, Haß, Neid, Egoismus, Lüge, schwere Epidemien, Naturkatastrophen und wie sie sonst noch heißen mögen, können und müssen auf eine erste Ursache im Menschen zurückgeführt werden: sie sind nicht zufälliges Versagen des Menschen, sie sind kein zufälliger Betriebsunfall der Schöpfung, sondern sie entspringen notwendig jener Sünde, die jeder Mensch mitbringt, wenn er geboren wird und deren Folgen auch nach seiner Taufe nicht aufgehoben sind. Unsere Aufgabe als getaufte Menschen aber ist es: durch das Bemühen um ein heiliges Leben Zeugnis abzulegen von der Gnade Jesu Christi, die allein uns aus unserem Elend errettet.
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