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Predigt Christi Himmelfahrt (9. Mai 2002) Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen, Alleluia Am Himmelfahrtstag des Jahres 1655, als eben die Verderbnis des dreißigjährigen Krieges und die Wirren des Glaubensabfalls überwunden waren, hat der damalige Weihbischof von Prag die von den Gläubigen hochverehrte Statue des Prager Jesuleins mit einer herrlichen, edelsteinbesetzten Krone geziert. Hinter dieser sichtbaren Geste steht der Glaube, daß dieser Jesus von Nazareth, der alle Tiefen des menschlichen Leids, der Verachtung und des grausamen Todes durchschritten hat, am Himmelfahrtstag seine Königsherrschaft im Reiche seines Vaters empfangen und angetreten hat. Um ihn herum kreist von nun an das Schicksal der Welt und das Leben der Menschen, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht. Der Glaube an ihn und die Liebe zu seinen Geboten werden für alle Zeiten und für alle Menschen das endgültige Richtmaß ihres ewigen Heils oder ihres ewigen Verderbens sein. Der Heiland führt mit sich seinen Menschenleib in den Himmel empor, den er von Maria empfangen hat, der am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden und verklärt worden ist. Dieser Menschenleib Jesu wird nun aller Ehre und Herrlichkeit im Himmel teilhaftig. Damit aber wird auch uns die sichere Hoffnung zuteil: daß auch wir mit unserem Leib auferstehen werden, am jüngsten Tag, und daß wir dann nach einem gottgefälligen Leben, in unserem Leib an der Herrlichkeit Jesu Christi Anteil haben dürfen. Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Die Himmelfahrt Jesu war die Stunde des Abschieds für seine Jünger. Zwei Engel holten sie wieder in die Wirklichkeit zurück. Und sie? Sie, die noch den Schrecken des ersten Abschieds Jesu in den Gliedern hatten, wo er leblos in das versiegelte Grab gelegt worden war und sie jede Hoffnung aufgegeben hatten, wie traf sie nun dieser neuerliche Abschied? Sie, die damals mit Feigheit, Flucht und Verleugnung geantwortet hatten, wie reagieren sie nun auf den Abschied Jesu? Man könnte annehmen, daß sie verstört, kleinlaut und deprimiert vom Berg wieder herabgestiegen wären. Es ist alles aus, er ist weg. Eben nicht. Es heißt ausdrücklich, daß sie voll Freude nach Jerusalem zurückgegangen seien. Warum voll Freude? Weil sie zwei Verheißungen Jesu empfangen hatten, die so gewaltig und hoffnungsfroh waren, daß sie nicht traurig und niedergeschlagen sein konnten: Einmal die Verheißung „Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft“ und dann die zweite, noch größere Verheißung: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. Auch wenn Jesus also nicht mehr leibhaftig bei ihnen auf Erden lebt, so sendet er doch am Pfingsttag den Heiligen Geist, der garantiert, daß Jesu Werk und Auftrag ohne wesentlichen und allgemeinen Irrtum in der katholischen Kirche weitergeführt wird. Jesus selbst aber bleibt bei uns, um uns zu führen und zu heiligen, in seiner heiligen Lehre, wo wir die göttliche Wahrheit vernehmen dürfen, in den heiligen Sakramenten, wo Jesus uns das göttliche Leben zur Reinigung und Heiligung unserer Seelen schenkt, schließlich aber bleibt Jesus am tiefsten und am meisten bei uns im Sakrament seiner Liebe, dem Altarssakrament, wo er sogar sich selbst, in zeichenhafter Weise, uns schenkt. Ebenso wie die Jünger damals, wollen auch wir alle Niedergeschlagenheit und Trostlosigkeit ablegen, die uns überkommen mag, wenn wir das freche Treiben der Feinde Gottes in unserer Welt sehen. In all dieser Not dürfen wir der Verheißung Jesu gewiß sein: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Suchen wir Jesus, begegnen wir ihm da, wo er sich also finden läßt: in der heiligen Lehre, in den heiligen Sakramenten, im heiligen Meßopfer. Dann werden wir die Kraft finden, den Versuchungen zu widerstehen und treu unseren Weg zu gehen, dem Herrn entgegen. So gerüstet dürfen wir den Tag des Herrn frohen Herzens erwarten, wenn er in der Krone seiner Herrlichkeit erscheinen wird, um die Feinde Gottes endgültig zu demütigen und jene in das ewige Erbe zu führen, die an ihn glauben. |
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