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Zur Haltung beim Gottesdienst Geschätzte Gottesdienstteilnehmer in der Prandtauerkirche! Nach der Sommerpause wollen wir wieder mit Freude und Eifer am gottesdienstlichen Leben der Prandtauerkirche teilnehmen. Wir alle freuen uns, daß der äußere Schmuck des Raumes unserer Kirche in den letzten Jahren besonders festlich und schön geworden ist. Ohne Selbstüberheblichkeit, die uns blind für noch bestehende Mängel macht, dürfen wir doch froh und dankbar sagen: unsere Kirche ist zum Schmuckkästlein geworden, und sie soll es, mit Gottes Hilfe, immer mehr werden. Doch wichtiger noch als der äußere Schmuck der Kirche ist die Frage: wie steht es um unsere eigene innere und äußere Haltung, mit der wir an den gemeinschaftlichen Gottesdiensten teilnehmen ? Das Gewohnte wird leider oft mit wenig Sorgfalt und Bedacht gepflegt. So können sich Fehler und Nachlässigkeiten einschleichen, die es rechtzeitig auszureißen gilt. Darum wende ich mich heute schriftlich an Sie mit einer großen Bitte: überprüfen Sie doch einmal ihre äußere Haltung beim Gottesdienst. Sie soll ja zunächst einmal das körperlich und sinnenhaft zum Ausdruck bringen, was zuerst in unserer Seele vorhanden sein muß: jener feine Sinn der Gottesverehrung, der darum weiß, daß er im Gottesdienst zusammen mit allen Engeln und Heiligen, mit Leib und Seele dem Anbetung und Lobpreis darbietet, der der wahre und dreifaltige Gott ist. Allgemein kann gelten: wo die äußere Haltung der Gläubigen beim Gottesdienst schlampig, bequem oder unfromm ist, da liegt meist auch der innere Glaube an das Geheimnis der Hl. Messe brach oder ist nicht mehr katholisch, d.h.vollständig. Weil eben der innere Glaube sich auch in der äußeren Haltung ausdrücken muß und die äußere Haltung ihrerseits den Zustand des inneren Glaubens wiedergibt. Sodann ist die äußere Haltung beim Gottesdienst aber auch ein wichtiges Zeugnis für all jene, die mit uns in diesem Kirchenraum Gott die Ehre geben wollen. Gutes Besipiel in der äußeren Haltung baut eine Gottesdienstgemeinde in sichtbarer Einigkeit auf, schlechtes oder nachlässiges Beispiel aber verdirbt die Gemeinsamkeit. Im allgemeinen und im Vergleich zu anderen Kirchen können wir sicher zufrieden sein: die äußere Haltung im Gottesdienst ist bei uns einheitlich, würdig und angemessen. Und dies, obwohl die meisten von uns aus ganz verschiedenen Orten und Gegebenheiten sich zusammengefunden haben, wodurch auch uneinheitliche Gebräuche und Arten der Haltung, vor allem in Kleinigkeiten, als gewohnt vorauszusetzen sind. Die Einheit in der äußeren Haltung wird auch nicht dadurch gravierend gestört, daß die Liturgie in der Prandtauerkirche, durch ihre bewußte Ausrichtung an der liturgischen Tradition des römischen Ritus, sich gerade in den Äußerlichkeiten nicht wenig von anderen Kirchen unterscheidet. Dennoch konnte ich mitunter Unsicherheit und Unkenntnis über die rechte Haltung während des Gottesdienstes wahrnehmen. Diesem Mißstand wollen wir mit vereinten Kräften abhelfen. Blicken wir doch einmal um uns herum: Der Verlust äußerlich sichtbarer Einheit in unserer Kirche - ein Zeichen der Selbstauflösung des Kirchlichen in der Welt - manifestiert sich eben auch im wildwuchernden Chaos der Haltung des gläubigen Volkes beim Gottesdienst. Oft findet man sogar in derselben Diözese so viele Verhaltensweisen, wie es Kirchen gibt. Die Bandbreite reicht leider vom völligen Abbau einer traditionell katholischen Haltung, wo etwa die ganze Messe bequem durchgesessen wird und das (sowieso fast abhanden gekommene) Knien vor allem als unbequeme Störung empfunden wird, bis hin zu Gottesdiensten, die mehr liturgischen Exerzierplätzen denn Gottesdiensten gleichen, wo dauerndes Auf und Nieder der Gemeinde die Regel ist und jede innere Sammlung damit meist verloren geht. In den vergangenen Jahrhunderten war von der Kirche nur das Verhalten des Zelebranten genau und durch geschriebene Rechtssätze (= Rubriken) einheitlich bestimmt. Das Knien, Sitzen und Stehen des Volkes beim Gottesdienst hingegen wurde einfach von Generation zu Generation überliefert und so weiterbefolgt. Dabei gab es hier durchaus Unterschiede in der Kirche, entsprechend der unterschiedlichen Traditionen der verschiedenen Teilkirchen, der entsprechenden Kulturkreise und Regionen. So etwa war das Knien in Rom nur äußerst spärlich vorhanden, während es hingegen im germanisch geprägten Kulturraum einen weiten Einfluß im Gottesdienst erhielt. Heute ist diese einfachste und wichtigste Quelle des rechten Verhaltens beim Gottesdienst, die in unseren Kirchen geübte und überlieferte Praxis des Gottesdienstes, oft jedoch kein unfehlbarer Maßstab mehr. Da die seit Jahrhunderten geübten Formen der Gottesverehrung (Kniebeugen, Knien, etc.), mittels derer die innere Gottesverehrung zu einem entsprechenden und geeigneten Ausdruck kommen soll, nur noch ein jämmerliches Schattendasein führen und ungeeignete Neuerungen Einzug gehalten haben, die meist auf Kosten des sakralen Charakters des Gottesdienstes gehen und dem Glaubensabbau Tür und Tor öffnen. In unserer Kirche, der Prandtauerkirche, wollen wir diese Not der Kirche durchaus wahrnehmen, wir wollen uns aber nicht einfach an die weithin vorherrschende Praxis anderer Kirchen bequem anpassen. Erst das reformierte Meßbuch Papst Pauls VI. aus dem Jahr 1970 enthält ausdrücklich und schriftlich niedergelegte Regeln für Gesten und Körperhaltung der Gemeinde beim Gottesdienst (man findet sie in der Allgemeinen Einführung ins Meßbuch, Nr. 20-22). Diese Regeln sind jedoch sehr weit und allgemein gehalten, sie enthalten meist nur ein vorgeschriebenes Minimum, ohne dabei ins Einzelne zu gehen. Sie geben außerdem die römische Praxis wieder, die, wie schon gesagt, eher nüchtern und arm an äußeren Gesten der Gottesverehrung war. Darin darf aber auch die Klugheit des Gesetzgebers gesehen werden, um - wie es ausdrücklich im Text vorgesehen ist - berechtigter Vielfalt und Verschiedenheit in den einzelnen Teilkirchen Raum zu geben. Wie wollen es nun also wir in der Prandtauerkirche mit der äußeren Haltung bei unseren Gottesdiensten halten? Entsprechend unserer eigenen Vielfalt, müssen wir folgende Haltungen bei der Hl. Messe unterscheiden: beim deutschen Sonntagsamt; bei der Stillmesse am Werktag ; beim lateinischen Hochamt an den Hochfesten. Es wäre schön, wenn die folgenden Anweisungen möglichst genau von allen Gottesdienstteilnehmern befolgt würden. Ohne übertriebenen Eigensinn und ohne faule Bequemlichkeit. Wobei jedem die Freiheit in dem bleibt, was über das allgemeine kirchliche Gesetz hinaus oder die Vorschriften für die einzelnen Riten hier festgeschrieben wird. Wer sich also nicht im Stande sieht, diesen Vorschriften zu folgen, möge sich eher hinten im Kirchenraum aufhalten, um so nicht anderen Ärgernis oder Sichtbehinderung zu werden. Es mag im Einzelfall gerechte Gründe geben, die die Befolgung der hier gewünschten Haltung unmöglich macht, etwa wenn das längere Knien aus medizinischen Gründen unmöglich ist. Ebenso wird keiner verständnislos zurückgewiesen werden, der fremd ist und neu zu uns stößt oder der eben nur die weithin verbreitete Praxis in anderen Kirchen kennt. Zudem werden hier nur die für den gemeinsamen Vollzug besonders wichtigen und ins Auge fallenden Haltungen berücksichtigt. Nun aber zu den einzelnen Regeln für die äußere Haltung bei unseren Gottesdiensten, soweit sie für die gottesdienstliche Einheit besonders notwendig sind: A) Meßritus Asperges: Stehen Einzug: Stehen Begrüßung/Eröffnung: Stehen Schuldbekenntnis: Knien Kyrie/Gloria/Tagesgebet: Stehen Lesung/Zwischengesang: Sitzen Zum gesungenen Alleluia; bzw. zum Evangelium: Stehen Predigt: Sitzen Glaubensbekenntnis: Stehen Fürbitten: Stehen Gabenbereitung (Opferung): Knien bzw. Sitzen Zur Beräucherung der Gemeinde: Stehen Zur Präfation: Stehen Zum Hochgebet (Kanon): Knien (wenigstens vor der Wandlung bis zum Vaterunser) Zum Vaterunser: Stehen Zum Agnus Dei: Knien Zum Seht das Lamm Gottes;: Knien Während der Kommunionausteilung und Kelchreinigung: Knien bzw. Sitzen (wenigstens während der persönlichen Danksagung) Zum Schlußgebet: Stehen Zum Segen: Knien Zum Gehet hin in Frieden;: Stehen B) Kommunionempfang 2. Lateinisches Hochamt (Ritus 1965) A) Meßritus Stufengebet: Knien Kyrie: Knien Gloria: Stehen, erst wenn der Zelebrant sich niedersetzt, setzen sich auch alle anderen. Tagesgebet: Stehen Lesung: Sitzen Zum Evangelium: Stehen Zur Predigt: Sitzen Zum Credo: Stehen, erst wenn der Zelebrant sich niedersetzt, setzen sich auch alle anderen. Zum Offertorium: Knien Zur Beräucherung der Gemeinde: Stehen Zur Präfation: Stehen Zum Sanctus: Knien Zum Vaterunser: Stehen, danach Knien bis zum Kommuniongang Während der Kommunionausteilung und der Kelchreinigung: Knien oder Sitzen Zum Schlußgebet: Stehen Zum Ite missa est: Stehen Zum Segen: Knien B) Kommunionempfang 3. Lateinische Stillmesse (Ritus 1962) Stufengebet: Knien Kyrie/Gloria/Tagesgebet: Knien Lesung: Sitzen Evangelium: Stehen Offertorium: Knien Präfation: Stehen Zum Sanctus: Knien Zum Vaterunser: Stehen, danach Knien Nach der Kommunionausteilung: Knien oder Sitzen Ab dem Schlußgebet: Knien Auszug: Stehen B) Kommunionempfang sh. Lat. Hochamt Zum Empfang der HL. Kommunion treten alle schon nach der Kelchkommunion des Zelebranten. Zum sakramentalen Segen (Wenigstens sollte zum Tantum ergo und zum Segen selbst gekniet werden) |
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