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Prandtauerkirche St. Pölten

Der einzige frühbarocke Kirchenraum St. Pöltens, die ehemalige Karmeliterinnenkirche Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel (Patrozinium ist das Karmelfest am 16. Juli), ist durch wohltätige Förderung der FÜRSTIN MARIA ANTONIA JOSEPHA MONTECUCCOLI, geb. GRÄFIN COLLOREDO (1672 - 1738, ihr Wappen prangt auf der Prachtfassade!) in den Jahren 1708 bis 1712 errichtet und kostbar ausgestattet worden.
Der eher schlichte ursprüngliche Entwurf der Kirche im Stil der Ordensbaukunst, wohl von Ordensarchitekt MARTIN (FR. ATHANASIUS) WITTWER (1667 - 1732) stammend, greift auf das Vorbild anderer Kirchen des Karmelordens zurück. Durch Überarbeitungen von MATTHIAS STEINL (1643 oder 1644 - 1717) und JAKOB PRANDTAUER (1660 - 1726) wird die hochbarocke Formensprache, vor allem in der Gliederung des Innenraums, zugefügt. Von Prandtauer dürften die meisten Einzelheiten, im Inneren vor allem an den Profilen des Gesimses und an den Kapitellen, stammen.
Im Jahre 1725 wurde die Kirche mit drei Marmoraltären durch JOSEPH DOMINIKUS GRAF LAMBERG, Fürstbischof von Passau, eingeweiht. 1782 kam es zur Aufhebung des Klosters und zur Profanierung der Kirche im Rahmen der josephinischen Klosteraufhebungen, wodurch das Inventar zum Teil nach Wien geschafft, zum Teil aber an andere Kirchen verteilt wurde (der Hochaltar kam etwa nach Tulln, St. Stephan, die beiden Seitenaltäre nach Michelhausen und Obergrafendorf). Der völlig entleerte Kirchenraum wurde in der Folge als Magazin verwendet.
Erst 1934 erfolgte die Wiederherstellung des Kirchenraums durch Spenden der Bevölkerung, wobei die Einrichtung 1934 und dann vor allem nach 1945, weitgehend stimmig zum Barockstil der Kirche, angeschafft wurde. Die Pläne der Adaptierung stammen von RUDOLF WONDRACEK. Die Orgelempore nach dem Vorbild von Sonntagberg wurde neu eingezogen, die acht nordseitigen Fensteröffnungen wurden zugemauert, ein Kunststeinfußbode wurde angeschafft. Das 1961 übermalte Hochaltarfresko von HEINRICH TAHEDL aus dem Jahr 1935 stellte die Huldigung der Stände an Maria dar. Die dem Stil der Zeit entsprechenden, 1940 eingefügten, Deckenfresken (hl. Theresia v. Kinde Jesu, hl. Aloisius v. Gonzaga, hl. Familie und Pantokrator) stammen von ALFRED LAUER, Wien. Die Apostelbilder an den Wänden (Petrus, Paulus, Matthias, Thomas) stammen aus Maria Taferl, die ursprüngliche Orgel aus der aufgelassenen Pfarre Großpoppen im Truppenübungsplatz Döllersheim.
Am 25. November 1934 wurde die Prandtauerkirche von BISCHOF DR. MICHAEL MEMELAUER neuerlich eingeweiht, mit der besonderen Widmung als Kirche für Gemeinde-, Schul- und Garnisonsgottesdienste.

Im Jahre
1944 - Geschenk eines Ölgemäldes der Taufe Konstantins (vielleicht von J. J. SCHINDLER, nördliche Chorwand).
1947 - Anschaffung der Kirchenbänke nach Entwurf von M. REITSTÄTTER-BOLLDORF.
1949 - Neue Kanzel nach Entwurf von M. REITSTÄTTER-BOLLDORF und mit Plastiken von A. TREBERER-TREBERSPURG (Scheidbogen, rechts).
1949 - Ankauf der barocken Immaculata-Statue mit Strahlenkranz (Scheidbogen, links); der reiche Samtbaldachin wurde 1998 zugefügt.
1961 - Aufstellung des Harrachschen Schloßaltares von Aschach/Donau aus Salzburger Marmor (1712). Entwurf von JOHANN LUCAS V. HILDEBRANDT (1668 - 1745). Das Altarbild der Kreuzigung Jesu wird als Frühwerk dem Spanier JUSEPE DE RIBERA (1591 - 1652) zugeschrieben. Assistenzfiguren der hll. Franziskus (links) und Aloisius (rechts). Aufsatzbild mit Gottvater und Heiligem Geist von JOHANN GEORG SCHMIDT (1721)
1962 - Ankauf eines neuen Tabernakels, passend zum bisher tabernakellosen Altar.
1964 - Rückerstattung des ursprünglichen Speisgitters von der Pfarre Rust (das Gittertürchen in der Mitte ist späterer Zusatz, Ende 18. Jhdt).
1973 - Ausbau und Reparatur der ursprünglich einmanualigen Orgel von JOHANN M. KAUFMANN nach Art der "klingenden Spieltische" von HENKE (1978 Pedalausbau).
1998 - Gebetsnische mit Josephsstatue (Eingangsbereich rechts, Ende 19. Jhdt).
1999 - Ankauf eines elektronischen Läutwerks der Firma Belltron/Italien mit Glockenspiel.
2000 - Diözesane Gedenkstätte der Gefallenen, Vermißten und Kriegsopfer mit Bronzeplastik der Kreuzabnahme von HANS FREILINGER (geb. 1925).



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